Matthias Brändle; Neue Kraft Vom Alten Meister

Braendle ++bergibt Christian Pauger das original Tour de France Teilnehmertrikot mit seiner Startnummer_Credit_Privat
Christian Pauger und Matthias Brändle (Photo;AKP Media)

IAM Cycling’s Matthias Brändle ist ein begabter Zeitfahrer der auch Spass daran hat bei schwierigen Rennen auf kurvigen und hürgeligen Strasse anzugreifen. Zwar möchte ich nicht den jungen Oesterreicher frühzeitig mit einem mehrfachigen Weltmeister vergleichen, aber diese Eigenschaften erinnern einen an einen Fahrer aus einem bergigen Nachbarland Oesterreichs, der sich das Ende seiner Karriere nähert…

 Matthias wird seit er als Teenager vom MTB zur Strasse gewechselt hat von Christian Pauger –selber ex-Profi, besitzer des Pro-Cyle Shops in Bregenz und Leiter dessen Rennrad Teams – betreut. Kurz nachdem Matthias das Ziel in seiner ersten Tour de France erreicht hatte, habe ich mit beiden kurz gesprochen.

 

Ciclissimo! Seit wann arbeiten sie mit Matthias, und woran haben sie erkannt, dass er solches Talent hat?

Christian Pauger Seit dem Jahr 2004, da war er 14 Jahre alt. Ich habe ihn als Mountainbiker kennengelernt, dann habe ich ihn motiviert, auf die Straße zu wechseln. An der Art wie er auf dem Rad saß und wie er fuhr, habe ich sein Talent erkannt. Er hat sehr viel Kampfgeist, damals wie heute. Ich nenne es “The Eye of the Tiger”. Das hat nicht jeder. Matthias wollte immer siegen. Sein Debüt auf der Straße war die österreichische Meisterschaft im Einzelzeitfahren in der U-17-Klasse. Er hat sich gleich den Titel geholt und damit die Rennradszene in Österreich überrascht. Von da an ging es stetig bergauf.

C! Hat er sich gleich an das Profileben gewoehnt, oder mussten sie ihm zuerst helfen  sich schlechte Gewohnheiten – zB ungesundes Essen – abzugewöhnen?

CP Er wurde mit 18 Jahren Profi, davor galt es aber, einige schwierige Jahr in der Pubertät zu überstehen. Aber er hatte in den Jugend- und Juniorenjahren immer Erfolge und hat auch die Schule (Höhere Technische Lehranstalt für Maschinenbau in Bregenz) gut abgeschlossen. Matthias ist bis heute kein Asket, er genießt schon einmal ein gutes Glas Wein oder ein leckeres Essen und zählt die Kalorien nicht. Aber wenn es darauf ankommt, dann steht er mit seinem Kampfgewicht am Start!

Braendle arbeitet in der Werkstatt bei Christian Pauger im Radshop Pro Cycle_Credit Privat
Radshop Pro Cycle; Matthias arbeitet in der werkstatt (Photo; AKP Media)

Ciclissimo! Seit ihrem Stundenrekord kennt jeder Rennrad-Fan ihren Namen, aber in Grossbritannien sind sie  schon 2014 bei der Tour of Britain aufgefallen, weil sie da so aggressiv gefahren sind. Wie haben sie dieses Rennen in Erinnerung? Gefallen ihnen die engen, kurvigen Strassen in Grossbritannien?

Matthias Brändle  Grossbritannien habe ich in sehr guter Erinnerung. Es hat mich mental als Person richtig gestärkt und mir auch das nötige Selbstvertrauen für den Stundenweltrekord gegeben. durch die engen Straßen und das ständige auf und ab ist die Tour prädestiniert für Ausreißer und sehr schwer für ein Team zu kontrollieren. Jetzt im Nachhinein hätte ich wohl den Hattrick versuchen sollen – 3 Etappensiege am Stück, aber als die Gruppe ging dachte ich mir, das funktioniert heute nicht mehr mit dem Durchkommen der Gruppe.

Tour de France 2015 - 102a Edizione - 4a tappa Seraing - Cambrai 223.5 km - 07/07/2015 - Matthias Brandle (IAM Cycling) - foto Luca Bettini/BettiniPhoto©2015
Tour de France 2015 – 102a Edizione – 4a tappa Seraing – Cambrai 223.5 km – 07/07/2015 – Matthias Brandle (IAM Cycling) – foto Luca Bettini/BettiniPhoto©2015
 

C! Ihre Leistungen beim Studenrekord und im Prolog bei der Tour de France machen den Eindruck sie seien Zeitfahrspezialist; allerdings wissen wir, dass sie auch gerne angreifen und in eine Ausreissergruppe fahren. Welche Art von Rennen mögen sie lieber – eines in einer Ausreissergruppe, oder  gegen die Uhr?

MB Man muss da ein wenig unterscheiden, ich liebe kurze Prologe und kleinere Zeitfahren. An den langen Zeitfahren muss ich noch arbeiten. Das ist mir bisher erst einmal gelungen beim Stundenweltrekord… Natürlich mag ich auch die Etappen, bei denen ich angreifen kann. Ich liebe es, vor dem Feld zu fahren und die Tage für das Feld hart zu machen. An guten Tagen springt sogar ein Etappensieg dabei raus.

C! Was ist haerter – der Studenrekord oder drei Wochen Tour de France? Kann man die zwei ueberhaupt vergleichen?

Aigle1_IAM
Aigle Stundenrekord (Photo IAM Cycling / AKP Media)

MB Das ist schwer zu vergleichen. Ein Körper vergisst zum Glück immer wieder relativ schnell, wie hart es wirklich war. Schmerz ist vergänglich. Beim Stundenrekord bin ich aber an meine äußersten Grenzen gegangen. Ich hatte ein super Publikum und die haben mir in den harten Phasen des Rennens geholfen. Danke an meine Fans! Die Tour war anders. Da kämpfst du viel länger, darfst aber einfach nie aufgeben…..in der zweiten Woche war es ein Kampf gegen die Hitze von fast 40 Grad und in der dritten Woche gegen die Berge. Es war ein harter Kampf, aber das Ziel in Paris zu erreichen, war dann umso schöner!

C! Der Prolog war ein Traumstart in ihrer ersten Tour de France. Haben sie so ein gutes Ergebnis erwartet? Und was fuer einen ersten Eindruck hat die Tour gemacht?

MB Ich habe schon daran geglaubt, für eine Überraschung sorgen zu können. Ich habe Dennis Rohan vier Wochen davor in Belgien im Prolog geschlagen, war Dritter bei der Tour de Suisse, für mich war es keine Überraschung. Ich denke sogar, mit etwas kühlerem Wetter und ein paar Kurven mehr wäre ich um den Sieg mitgefahren. Das Niveau bei der Tour ist extrem hoch. Jeder Fahrer ist ungeheur motiviert und alle Teams üben Druck aus, aber es ist ja nicht umsonst das härteste Radrennen der Welt…

C! Sie hatten sicher waerend der Tour sicher auch schwierige Momente – Welcher Tag war der schwierigste?

MB Für mich persönlich ganz klar die 19. Etappe. Nach dem Start ging es 15 km den Berg hinauf, dann nach der Abfahrt kurz flach und wieder 25 Kilometer den Berg hoch. Nach der Abfahrt nochmals 17 Kilometer bergauf und das alles bei einer Karrenzzeit von 30 Minuten. Da mussten wir uns im Grupetto richtig anstrengen, um den Timecut zu machen.

C! An welches Bild oder an welche Geschichte von ihrer ersten Tour de France werden sie sich in der Zukunft am meisten erinnern?

MB Der Moment als wir Paris erreichten. Wir fuhren unter dem Eiffelturm durch, die ganzen Straßen waren gesperrt wir wurden bejubelt wie große Stars und das nach 3 Wochen leiden. Das war schon sehr speziell. Aber auch die Stimmung während der ganzen Tour. An harten Momenten im Training werde ich daran denken, wie viele Leute sich gerne eine Startnummer auf den Rücken kleben und das gerne erleben würden…

C! Wie fuehlen sie sich jetzt wo Matthias bei den groessten Radsportereignissen teilnimmt und einen Stundenrekord im Lebenslauf stehen hat?

CP Ich bin sehr stolz auf ihn, Matthias ist für mich wie ein Sohn. Er besucht mich immer, wenn er im Lande ist und wichtige Entscheidungen treffen wir meist zusammen bzw. beraten uns davor. Ich habe immer an ihn geglaubt und ihn unterstützt. Ich bin fest überzeugt, seine große Zeit kommt erst noch, Stundenweltrekord und Tour de France Teilnahme – das war erst der Beginn.

C! Das WM Zeitfahren – ist das fuer sie dieses Jahr schon ein Ziel, oder nehmen sie sich das etwas später vor?

MB Ich denke, es kommt noch zu früh für mich, um ganz vorne mitzufahren, aber ich werde versuchen, mich stetig zu verbessern. Meine Priorität liegt aber nicht ausschliesslich auf dem Zeitfahren, vielleicht gelingt mir ja auch was im Straßenrennen.

Tour de France 2015 - 102a Edizione - 1a tappa Utrecht - Utrecht 13.8 km - 04/07/2015 - Matthias Brandle (IAM Cycling) - foto Luca Bettini/BettiniPhoto©2015
Tour de France 2015 – 102a Edizione – 1a tappa Utrecht – Utrecht 13.8 km – 04/07/2015 – Matthias Brandle (IAM Cycling) – foto Luca Bettini/BettiniPhoto©2015

C! Ich kann mir gut vorstellen, dass sie Schifahren koennen! Haben sie im Winter auch mal Zeit auf die Piste oder in die Loipe zu steigen? Vielleicht die Streif hinunter? Fahren sie lieber Alpin oder Langlauf? Und haben sie eine/n Lieblings-Wintersportler/in?

MB Ja, Wintersport ist sehr beliebt in Österreich, schon als kleiner Junge mit 4 Jahren stand ich das erste Mal auf den Skiern. Wir waren als Kinder sehr oft in den Skigebieten unterwegs, mit dem Lift hoch und den Skiern runter. Das macht nach wie vor Spaß und hin und wieder geht sich immer noch ein Abstecher auf die Piste aus.  Für das Training bevorzuge ich aber eher die Tourenskier. Mit Ski und Fell hoch auf einen Berg und dann die schöne Abfahrt genießen. Das ist ein super Training.

C! Arbeiten sie zur Zeit mit jungen Fahren dessen Namen wir uns fuer die Zukunft merken sollten?

CP Mit Melanie Amann unterstütze ich eine österreichische Juniorenfahrerin (18 Jahre alt), die sich gerade den österreichischen Meistertitel im Einzelzeitfahren geholt hat. Sie ist Teilnehmerin an den Europäischen Olympischen Jugendspielen und den Europäischen Olympischen Jugendspielen. Auch ihr Bruder Dominik (16 Jahre) arbeitet sich auf Schritt für Schritt nach vorne, auch er ist beim Pro Cycle Team Bregenz. Zurzeit bin ich auch im Triathlonbereich sehr aktiv (ich bin Namenssponsor des ProCycle TriTeams Dornbirn) da mein Sohn Leon Pauger (16 Jahre) im österreichischen Nationalteam (Jugend) ist. Er verzeichnete bereits internationale Einsätze und will Profi werden. Sein Vorbild ist dabei auch unter anderem Matthias Brändle, er hat gezeigt, dass man es auch als Österreicher schaffen kann. Manchmal trainieren sie zusammen und Leon freut sich über die wertvollen Tipps, die er von Matthias für das Radfahren bekommt. Matthias wurde 2014 zum österreichischen Radsportler des Jahres und zum Vorarlberger Sportler des Jahres gewählt. Er gibt seine Erfahrungen gerne an die Jugend weiter und ich denke, er ist Motivator und Vorbild für alle Nachwuchsathleten in unserer Region.

Braendle Training mit Vorarlberger Nachwuchs_Credit_Privat
Brändle training mit Vorarlberger Nachwuchs (Photo; AKP Media)

C! Welches Gericht essen sie am Liebsten in einer Berghuette?

MB Eine “Brettljausn”, das ist eine Platte mit Speck, Käse & Brot! : )

Brettljausn

Ciclissimo! bedankt sich ganz herzlich bei Tessa Langley für die Übersetzungen and AKP Media für alle Fotos. Die Interviews wurden von Nathan Thomas, Cicilissimo! Europakorrespondent vereinbart.

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